Die Entwicklung neuer Bildungssysteme und Lehrmethoden wird durch die Veränderung der Wirtschafts- und Arbeitswelt nachhaltig stimuliert. Immer schnellere Produktions- (just-in-time Produktion) und Innovationszyklen verlangen von den Arbeitgebern, die bedarfsgerechte Weiterbildung ihrer Mitarbeiter in die Überlegungen zur strategischen betrieblichen Ausrichtung einzubeziehen. Die zentralen Herausforderungen an künftige Bildungssysteme werden die schnelleren, bedarfsorientierteren und systematischeren Reaktionen auf die Anforderungen der Arbeitswelt darstellen. Traditionelle innerbetriebliche Weiterbildung kann diesem wachsenden Bedarf nach zeitnaher und prozessbezogener Schulung in vielen Fällen jedoch nicht mehr allein gerecht werden.
Aufgabenbezogene, zeitnahe Lernprozesse und definierte Kompetenzzunahmen zur Verkürzung der Innovationszyklen (time-to-market und time-to-performance) können gezielt durch virtuelle Lernumgebungen optimiert werden. Konzeption, Umsetzung und Einführung einer virtuellen Lernumgebung müssen daher in ein spezifisches didaktisches Konzept eingebettet werden: ein effizientes und ganzheitliches, alle Zielgruppen einbeziehendes Kompetenzmanagement ist dabei unverzichtbar. Kompetenzmanagement führt eine kontinuierliche Anpassung der Kompetenzen an neue Aufgaben durch und berücksichtigt dabei strategische und organisatorische Veränderungen.
Der konsequente Aufbau und die Entwicklung von Fachkompetenzen können in einem transparenten Entwicklungsmodell abgebildet werden, welches die Qualifizierungsangebote darstellt und ihre jeweilige Bedeutung für die Unternehmensstrategie erläutert. Der Lernprozess wird für das Unternehmen kontrollier- und steuerbar und Abteilungen werden Wettbewerbsdruck durch unternehmensweite Performance- und Potenzialanalysen ausgesetzt. Ein Kompetenzmodell bildet in einem unternehmensweiten Qualifizierungskatalog umfassend die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter ab und trägt zur Klärung der Frage bei, welche Fähigkeiten Mitarbeiter benötigen, um bestimmte Funktionen im Unternehmen erfüllen zu können. Das Kompetenzmodell hilft den Personalverantwortlichen bei ihrer Aufgabe, als Human-Asset-Manager ihre Vermögenswerte zu verwalten: virtuelle Lernumgebungen werden zur elektronischen Steuerung und Optimierung spezifischer Prozesse der Aus- und Weiterbildung eingesetzt und erhalten dabei strategische Bedeutung, indem das Kompetenzmanagement die Unternehmens- und Personalstrategie verbindet. Dem gegenüber steht allerdings die Annahme, dass E-Learning vielfach nicht als ein Instrument im Rahmen der zielgerichteten und wertschöpfungsorientierten Aus- und Weiterbildung eingesetzt wird, sondern eine Verlagerung hin zu mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Weiterqualifizierung stattfindet.
Kompetenzmanagement ist wie bereits an obiger Stelle erwähnt eng mit der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens verbunden. Elektronische Daten- und Informationsverwaltung wird dazu verwendet, Synergieeffekte durch eine Bestandsaufnahme in einer zunächst heterogenen und unscharf definierten Anforderungssituation zu lokalisieren. Auf der Grundlage der Ist-Analyse können danach Problemlösestrategien für wahrscheinlich auftretende Schwierigkeiten während der Projektrealisierung gefunden werden. Innerhalb dieses Vorgangs wird auch die E-Learning Readiness (mit den Teilbereichen Business-Readiness, Change-Management, Projektmanagement, Unternehmensstruktur) eines Unternehmens überprüft und analysiert. Ist die E-Learning Readiness gewährleistet, dann kann damit begonnen werden, die Planungsphase für eine virtuelle Lernumgebung zu beginnen. Das Ziel, eine definierte Anwendergruppe bei möglichst niedrigen Kosten, optimiertem Verwaltungsaufwand und hoher Informationsverfügbarkeit und –transferierbarkeit weiterzubilden, darf nun nicht mehr aus dem Blickfeld verloren werden. Alle am Prozess beteiligten Personen müssen sich darüber im Klaren sein, was die ausgewählten Argumente für und gegen eine bestimmte Lernplattform sind, welche positiven Auswirkungen erwartet werden, welche Ressourcen durch wen in welchem Zeitrahmen genutzt werden können, welche Innovations- und Weiterentwicklungspotentiale vorhanden sind und welche Geschäftsfelder unmittelbar von den Weiterbildungsmaßnahmen profitieren sollen. Der Einsatz virtueller Lernumgebungen löst in einem Unternehmen (und damit in einem hochgradig komplexen System) einen Veränderungsprozess aus, der sich unmittelbar auf die Mitarbeiter und ihre Motivation auswirken wird. Durch den Einsatz von CSCW werden sich auch die Variablen Gruppenbewusstsein, Commitment, Retention und Teamdenken verändern.