Information weist einen metrischen, einen strukturellen und einen semantischen Aspekt auf. Soll sie effizient vermittelt werden, dann müssen alle drei Aspekte auf das informationsverarbeitende Subjekt – den Lerner – abgestimmt werden. Die Erreichung von gesetzten Lernzielen ist zu einem hohen Grad von der erfolgreichen Präsentation der zu übermittelnden Information abhängig. Dabei ist es, sowohl in traditionellem Präsenzunterricht als auch in virtuellen Lernumgebungen, von entscheidender Bedeutung, dass Lehrer intrinsische Motivation beim Lerner wecken und aufrechterhalten können. Der folgende Abschnitt fasst die wichtigsten Kriterien für erfolgreiche Informationspräsentation zusammen und ordnet sie möglichen Lehrtätigkeiten zu.
Motivation
Je höher die intrinsische Motivation eines Lerners ist, desto größer ist der anzunehmende Lernerfolg. Die Motivation eines Lerners ist in der Regel dann am höchsten, wenn er mit authentischen und für ihn relevanten Situationen und Informationen konfrontiert wird. Es ist daher die Aufgabe des Lehrers, wenn möglich immer einen aktuellen Bezug zwischen dem Unterrichtsstoff und der individuellen Situation des Lerners aufzuzeigen. Zusammenhänge zwischen Informationselementen müssen verdeutlicht und verwandte Theorien präsentiert werden. Lehrer müssen gerade in virtuellen Lernumgebungen darauf Wert legen, dass die Lernenden untereinander über auftretende Probleme kommunizieren. Freiwillige und zeitintensive Hilfestellung ist ein Phänomen, das im Internet weit verbreitet ist. Zahlreiche Studien belegen, dass in virtuellen Gemeinschaften und in themenbezogenen Experten Newsgroups Hilfestellungen ohne direkt erwartete Gegenleistung gegeben werden. Gerade Anfänger sind immer wieder überrascht und fasziniert von den Möglichkeiten, die vernetzte Interaktion in diesem Zusammenhang bietet.
Vororientierung
Um den Lernern die kognitive Einordnung der Unterrichtseinheiten zu vereinfachen ist es sinnvoll, ihnen zu Beginn einer Unterrichtseinheit mitzuteilen, welche Informationen sie in der nächsten Zeit erwarten. Je nach Fachgebiet kann es sinnvoll sein, bereits in einer der ersten Sitzungen eine Liste mit den wichtigsten Definitionen auszuhändigen. Lehrer sollten das von ihnen definierte Lehrziel zu Beginn eines Kurses mit den Lernern besprechen. Dabei sollte das Lernziel begründet und in einen übergeordneten Kontext eingereiht werden. Auf diese Weise können die Lerner nachvollziehen, warum gerade dieses Lernziel zu diesem Zeitpunkt ausgewählt wurde. Es hilft ihnen dabei, über die Gesamtlaufzeit der Lehreinheit zu überprüfen, ob sie sich „auf dem richtigen Weg“ befinden. Vororientierung wirkt demnach sowohl als Strukturierungshilfe als auch als Kontrollinstrument zur Lernzielerreichung.
Gerade bei umfassendem Kursmaterial bietet sich eine Gliederung der Lerneinheiten auf, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Die seitens der Lerner wahrgenommene Aufteilung der Lehreinheit in kleine Sublerneinheiten ist aus zwei Gründen sinnvoll. Zum einen wird die Übersichtlichkeit erhöht und den Lernern ein regelmäßiger „Selbstkontrollpunkt“ angeboten. Zum anderen hilft die übersichtliche Darstellung des Lernstoffes dabei, Vorwissen zu aktivieren und abzurufen. Sollte der Lerner feststellen, dass ihm vorausgesetztes Vorwissen fehlt, kann er diesen Zustand frühzeitig beheben. Dies führt im Idealfall dazu, dass er im späteren Verlauf der Lehreinheit nicht hinter die anderen Kursteilnehmer zurückfällt.
Aufmerksamkeit erhalten
Gerade wenn Lerneinheiten in virtuellen Lernumgebungen über einen längeren Zeitraum angesetzt sind, ist es eine der Hauptaufgaben der Lehrperson oder der Tutoren dafür zu sorgen, dass das Aufmerksamkeitsniveau nicht zu stark absinkt. Die Aufteilung eines Problems in verschiedene Teilprobleme, die unter Umständen in Kleingruppen bearbeitet und dann zusammengefügt werden, kann sowohl die Gruppendynamik erhöhen als auch die Aufmerksamkeit durch ein höheres Aktivitätsniveau erhalten. Eine Verteilung der Höhepunkte über den gesamten Kursrhythmus sorgt für Abwechslung und Spannung. Das Verfolgen von Unterricht am Bildschirm kann schnell ermüdend sein. Es ist daher ratsam, entweder in bestimmten Intervallen oder nach einem gemeinsamen Entschluss der Gruppe regelmäßige Pausen einzulegen. Methodische und multimediale Varianz wirkt ermüdender Routine entgegen und fordert den Lerner auf, sich aktiv in den Lernprozess einzubringen. Um die sprachliche Gestaltung des Vortages den Zuhörern anzupassen können Lehrer auf die „Hamburger Verständlichmacher“ Schulz von Thuns zurückgreifen: Kürze, Prägnanz, Einfachheit, Anschaulichkeit.
Strukturierung
Stringenz in der Vermittlung von Lehrinhalten hilft dem Lerner, die Bedeutung jeder einzelnen Unterrichtseinheit innerhalb eines Gesamtkonzepts nachzuvollziehen. Es ist die Aufgabe des Lehrers, einen roten Faden aufzuzeigen. Hierzu müssen unter Umständen die Lehrziele noch einmal ins Gedächtnis gerufen werden und die während des Unterrichts aufkeimenden Fragestellungen eingebunden werden. Inhaltliche Strukturierung erleichtert die Integration der Lerninhalte in die kognitive Struktur der Lerner. Es ist entscheidend, dass es dem Lehrer gelingt, konstruktive Kritik als positives Merkmal von Unterricht zu kommunizieren.
Veranschaulichung
Erfolgreiche Informationspräsentation basiert auf der Fähigkeit der Lehrperson, den theoretisch zu vermittelnden Stoff mit anschaulichen Beispielen anzureichern und praktische Anwendbarkeit zu demonstrieren. Angestellte Vergleiche können die Lerner animieren, eine Problemstellung von multiplen Perspektiven zu betrachten und so neue Erkenntnisse zu gewinnen. Veranschaulichung trägt dazu bei, „träge“ Information in flexibel anwendbares Wissen zu transformieren. Visualisierungstechniken wie Mind-Maps oder Simulationen unterstützen gerade bei komplexen oder besonders umfangreichen Zusammenhängen den Lerner dabei, die Übersicht zu bewahren und verschiedene Problemstränge zu analysieren. Ziel ist es, Prozesse der aktiven Informationsaufnahme zu fördern.
Konsolidierung
Die regelmäßige Wiederholung der wichtigsten Informationen sollte fest in den Lehrplan integriert und Lerner sollten dazu angeregt werden, die Inhalte mit ihren eigenen Worten wiederzugeben und sie in der Gruppe zu diskutieren. Eine schriftliche Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte am Ende jeder Sublehreinheit und regelmäßige Leistungstests verankern die Inhalte im Gedächtnis der Lerner. Idealerweise gelingt es einem Lehrer, einen kognitiven Konflikt bei den Lernern auszulösen. (event. Einsatz von Blogs etc..)
Sprachliche Gestaltung
Da in virtuellen Lernumgebungen bestimmte Context Cues fehlen, was die Kommunikation zwischen den Kursteilnehmern und den Lehrkörpern erschwert, muss der sprachlichen Gestaltung besondere Beachtung geschenkt werden. Lehrer müssen die von ihnen aufbereiteten Texte hinsichtlich der folgenden Merkmale überprüfen:
- Deutlichkeit, Einfachheit und Präzision
- Kürze und Prägnanz
- Sachlichkeit
- Anschaulichkeit
Kommunikation ist “language in action”: sowohl gesprochene als auch geschriebene Sprache müssen in diesem Licht betrachtet werden. Sprache, die nicht an den erwünschten Zweck angepasst ist, erzielt nicht die erhoffte Wirkung und ist oft sogar kontraproduktiv. Entwickler von virtuellen Lernumgebungen müssen deshalb die herausragende Bedeutung des richtigen Sprachgebrauchs beachten und sich sicher im Umgang mit ihm fühlen: Klarheit, Verständlichkeit, Zusammenhang und Redundanz sind Grundpfeiler einer erfolgreichen Kursentwicklung.
Designteams erfolgreicher E-Learning Programme analysieren den Sprachgebrauch und das Verstehen der Lerner. Sie sind sich bewusst, dass ein Unterschied zwischen „falsch-verstehen“ und „missverstehen“ besteht. Während Anwender, die eine Aufgabenstellung oder eine Anwendung überhaupt nicht verstehen frustriert und ärgerlich werden, verlieren Anwender, die etwas missverstehen, Zeit und sorgen unter Umständen für unnötige Unruhe in der Lernergemeinschaft. Die Art und Weise, wie Anwender die Anwendung wahrnehmen, stimmt in frühen Entwicklungsphasen häufig nicht mit den Designzielen überein. Auch bei der Textproduktion ist es daher wichtig, Anwendern zu einem möglichst frühen Zeitpunkt erste Prototypen oder Design-Sketches vorzulegen.
Ballstaed unterscheidet 3 Textsorten:
- Expositorischer Text: beschreibt Sachverhalte und erklärt Zusammenhänge, soll das konzeptuelle Wissen erweitern und Eigenschaften von Gegenständen, Zustände und Prozesse beschreiben (Definitionen, Explikationen und Argumentationen).
- Narrativer Text: berichtet über den Ablauf von Handlungen und Ereignissen, informiert über Situationen, Motive, Entscheidungen, Handlungen und deren Konsequenzen.
- Anleitender Text: vermittelt prozedurales Wissen, leitet also die Adressaten an, etwas zu tun oder zu lassen.
Didaktische Zusatztexte können darüber hinaus den Basistext ergänzen, um gezielt anregend und unterstützend auf bestimmte Lernprozesse zu wirken. Designer virtueller Lernumgebungen sollten mit den unterschiedlichen Vor- und Nachteilen der Textsorten für die Wissensvermittlung vertraut sein. Werden Texte mit einer klaren Vorstellung im Kopf formuliert, dann können sie die Leser gezielt zu weiterführenden Gedanken anregen. Es kann durchaus im Sinne des Tutors liegen, durch kognitive Dissonanzen Kritik und Widerspruch auf Seiten der Lernenden hervorzurufen. Ballstaed unterscheidet Beispieltypen mit didaktischer Funktion in Ausgangsbeispiel, Illustrationsbeispiel, Belegbeispiel, Gegenbeispiel, Anwendungsbeispiel und fiktives Beispiel. Hypertext eignet sich aufgrund seiner offenen Struktur, um verschiedene Präsentationsweisen von Inhalten zu ermöglichen. Theoretisch können alle 6 Beispieltypen entweder neben- oder sogar miteinander dargestellt werden.
Eine empfehlenswerte virtuelle Lernumgebung zeichnet sich dadurch aus, dass die Gliederung der Lerneinheiten den Anforderungen und dem Vorwissen der Lernenden entsprechend vorgenommen wird. Die Sequenzierung der Inhalte hat entscheidenden Anteil am Lernerfolg und damit auch an der wahrgenommenen Zufriedenheit mit der virtuellen Lernumgebung. Tutoren sollten dafür sorgen, das die zentralen Begriffe, Definitionen und Aussagen zusammengefasst und dem Lernfortschritt entsprechend aktualisiert werden. Auch ein Glossar als Nachschlagewerk oder Einprägehilfe für zentrale Begriffe und Aussagen kann sehr hilfreich sein. Darüber hinaus aktiviert eine kognitive Vorstrukturierung bei den Adressaten Vorwissen und schlägt eine begriffliche Brücke zwischen neuen und alten Informationen. Ein Exkurs in themenverwandte Wissensgebiete kann dieses Vorwissen mit dem aktuellen Thema verknüpfen und so für einen breiteren Überblick und eine nachhaltigere Verarbeitungstiefe sorgen. Aufgabenstellungen, die das auf diese Weise erarbeitete und verknüpfte Wissen abfragen, helfen dem Tutor dabei, die Lernfortschritte zu beurteilen und den Erfolg seiner Arbeit zu bemessen.
Lesen am Bildschirm geht im Vergleich zu Printpublikationen etwa um 25 Prozent langsamer vonstatten. Um die Lesbarkeit zu erhöhen können die am Entwicklungsprozess beteiligten Kursdesigner jedoch einige Maßnahmen ergreifen. Da Schachtelsätze und komplexe Satzstrukturen online noch schwieriger zu verstehen sind sollte, analog zur visuellen Komplexitätsreduzierung, ein möglichst einfacher Sprachgebrauch gewählt werden. Als Richtlinie kann man sagen, dass für den Bildschirmgebrauch verfasste Texte etwa um die Hälfte kürzer sein sollten als Texte, die für Printmedien geschrieben werden. Dies ist vor allem dadurch zu begründen, dass Leser Informationen am Bildschirm eher überfliegen (scannen) als lesen. Eine konsistente Gliederungshierarchie und wiederkehrende Textelemente ermöglichen dem Lerner, die Lesegeschwindigkeit und die Verarbeitung der Informationen zu beschleunigen. Die wichtigste Information sowie eine kurze Zusammenfassung des Kapitels sollte am Anfang stehen und danach jeder neue Gedankengang mit einem neuen Abschnitt begonnen werden. Die Präsentation der Information sollte zur Erleichterung der Lesbarkeit zumeist von generellen zu spezifischen, von einfachen zu komplexen Sachverhalten verlaufen und in einer kurzen Zusammenfassung enden. Die Terminologie muss dem Kursinhalt angemessen sein und auf Standards beruhen. Überschriften sollten kurz, informativ und auffallend sein sowie die Aufgabe oder die folgenden Informationselemente treffend wiedergeben. Schlüsselwörter, nicht ganze Sätze, sollten online entweder fett hervorgehoben, farbig markiert oder unterstrichen werden, um das Überfliegen von Textpassagen zu erleichtern. Ergänzend können Listen – nummeriert bei wichtiger Reihenfolge, sonst Aufzählungszeichen – die Aufmerksamkeit beim Überfliegen auf eine bestimmte Information lenken. Da gerade bei hypermedialen Lernumgebungen Linearität nicht vorausgesetzt werden kann, müssen die Informationsdesigner beachten, dass Lerner jede Seite einer Lerneinheit unabhängig betrachten können (d.h. ohne Kenntnis der linear vorausgegangenen Seite).
Die Rolle des Tutors
Die Aufgabe des Tutors in virtuellen Lernumgebungen besteht in zunehmendem Maße darin, die Gruppenarbeitsprozesse und die individuellen Maßnahmen zur Lernzielerreichung zu koordinieren. Da Online-Lerner eine sehr niedrige Frustrationsschwelle bei der Erlernung neuer Funktionen haben, sollten sich Diskussionsrunden explizit mit einzelnen Kursen und deren Problemstellungen befassen. Kursprojekte sollten deshalb Problemlösestrategien fördern und nicht ausschließlich auf reine Informationsaufnahme und -vermittlung beschränkt sein. Lerner müssen sich im Klaren darüber sein, welche Rollen und Verantwortungen sie übernehmen müssen.
„No longer is the student waiting for the teacher to teach. Rather the effective learner takes control of his eductional program and utilizes the tools provided by the learning institution.”
Die Lehrer-Lerner Interaktion hat eine entscheidende Bedeutung für die Lernzielerreichung. Die Unterrichtseinheiten sollten persönliche Erfahrungen und Ideen berücksichtigen und Aktivitäten sollten in kleinen Gruppen angeboten werden. WBL ist auch heute noch häufig an den Bedürfnissen der Anwender vorbeiprogrammiert, individuelle Interessenschwerpunkte und Lebenswandel der Anwender werden zu oft nicht berücksichtigt. Tutorielle Unterstützung muss der Tatsache Rechnung tragen, dass Wissen vor allem durch zwischenmenschliche Interaktion und Beziehungen generiert und weitergegeben wird. Diskussionen sollten daher ein grundlegender Bestandteil von E-Learning Angeboten sein, da sie den Studenten dabei helfen können, ihre Aktivitäten zu koordinieren bzw. zu fokussieren. Aktive und fokussierte Teilnahme ist ein Gütekriterium für Online-Lernangebote und der Tutor ist maßgeblich für die Koordination dieser Anteilnahme am Unterrichtsgeschehen verantwortlich. Darüber hinaus sollten Tutoren in virtuellen Lernumgebungen Lernerfolge mit dem Ziel der Motivationserhöhung regelmäßig überprüfen.
Tutoren müssen in einem Assessmentprozess die Lernkurve ihrer Studenten beobachten und bewerten. Zu diesem Zweck müssen im Idealfall alle verfügbaren Informationen gesammelt und evaluiert werden. So können z.B. die publizierten Beiträge in Themenforen aufaddiert und bezüglich ihrer inhaltlichen und qualitativen Relevanz bewertet werden. Die Beurteilung der Lernleistung sollte in einem Dialog zwischen Student und Lehrer eingebettet und für den Einzelnen und die Lerngruppe bedeutungsvoll sein. Die Beurteilung der Lernleistung ist für den Tutor ein wichtiges Kontrollinstrument, mit dem er seine Kursvorbereitung und Kursführung kritisch beurteilen kann. Der Tutor sollte seinen Studenten erklären, welche Bewertungskriterien seinen Leistungsbeurteilungen zu Grunde liegen und Richtlinien für das erwartete Leistungsniveau und die Teilnahmebereitschaft erläutern. Bezüglich der Teilnahmebereitschaft muss die Frage geklärt werden, wie viel Zeit die Studenten für das gemeinschaftliche Bearbeiten von Aufgaben aufwenden sollen bzw. tatsächlich realistisch aufwenden können. Der Tutor muss sich bewusst sein, dass eine hohe Beitragsfrequenz bei hoher Qualität den vielleicht wichtigsten Schritt hin zu einer erfolgreichen Implementierung einer virtuellen Lernumgebung darstellt. Es ist die Aufgabe des Tutors sicherzustellen, dass es möglich ist, den aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmenden Studenten kontinuierlich wertschätzende und konstruktiv-kritische Rückmeldungen zu geben. Der Lernende muss das Gefühl haben, dass sein Einsatz wahrgenommen und honoriert wird und dass er ein bedeutungsvolles Mitglied einer hoch spezialisierten Gruppe ist.
Tutoren in virtuellen Lernumgebungen müssen sich der herausragenden Bedeutung der Fragestellung bewusst sein. Besonders in synchronen Kommunikationssituationen muss die aufgeworfene Frage als Grundlage für weiterführende Diskussionen geeignet sein und im Idealfall in einen Gesamtkontext eingeordnet werden können. Der Tutor muss sich vor der Gruppendiskussion darüber im Klaren sein, welchen Diskussionsstil er bevorzugt, d.h. wie oft er koordinierend oder leitend in einen laufenden Dialog eingreifen möchte. Er muss mit Methoden vertraut sein, die ihm diese Kontrolle in einer virtuellen Umgebung ermöglichen.
Tutoren sollten ihre Studenten vor dem Kursbeginn darüber aufklären, welchen Anteil ihre Teilnahme bei der Bearbeitung von gemeinsam zu lösenden Problemstellungen (z.B. in einem Blog oder auf einem Blackboard) an ihrer Beurteilung hat. Es muss geklärt werden, ob das Publizieren von Beiträgen freiwillig und zeitnah erfolgen und ob jeder Student mindestens eine bestimmte Anzahl pro Lerneinheit beitragen muss. Die Vorgabe eines konsistenten Posting-Stils hilft sowohl bei der Gliederung der Ergebnisse als auch bei der Vergleichbarkeit der einzelnen Beiträge. Edelstein & Edwards unterscheiden die folgenden 5 Bewertungsgrundkategorien:
- Promptness and Initiative: Demonstration der Bereitschaft, in einem zeitlich angemessenen Rahmen an Diskussionen teilzunehmen und so auch Selbstmotivation zu demonstrieren.
- Delivery of Post: beschreibt die Qualität der Beiträge, z.B. Rechtschreibung etc.
- Relevance of Post: beschreibt, inwiefern Studenten in der Lage sind, aufgeworfene Fragen zu beantworten. Richtet sich an Studenten, die fokussiert eine Fragestellung über einen Zeitraum verfolgen und an den Studenten, die Gefahr laufen, abzuschweifen.
- Expression within the Post: beschreibt die qualitativ hochwertigen Beiträge und auf welche Weise Ideen und Kommentare präsentiert werden. Diese Kategorie gibt dem Kursleiter darüber hinaus die Möglichkeit, individuelle Ausdrucksformen zu beurteilen.
- Contribution to the Learning Community: beschreibt, ob der Student dazu beiträgt, das Lernerlebnis in der Gemeinschaft zu erhöhen.
Besonders Tutoren, die zum ersten Mal eigenverantwortlich eine Lehrveranstaltung konzipieren und durchführen sollten von Experten geschult und auch während des Semesters durchgehend unterstützt werden, um auf bereits gesammelte Erfahrungen aufbauen zu können. Durch die Erstellung von Leitfäden und standardisierten Designvorlagen kann für eine konsistente Lernumgebung gesorgt werden. Die Tutoren sollten dabei jederzeit die Möglichkeit besitzen, auf Evaluationsinstrumente wie statistische Auswertungen oder Befragungen der Lernergruppe zurückgreifen zu können.